Revolution durch Social Media


Aktuelles von der Texterin Dr. Regina Urbach


Social Media revolutionieren die gesamte Kommunikation in der Öffentlichkeit, so ist auch auf den diesjährigen Fachmessen InternetWorld in München und Web Content Forum im Köln zu hören. Doch neben Hype und Revolutionsromantik sollte dabei auch die Erinnerung an Anarchie und Robbespierre'sche Willkür nicht ganz verblassen.


Soziale Netzwerke öffnen jedem den Zugang zur Öffentlichkeit - aber auch die Schleusen für böswillige Mobs und Kontrollmöglichkeiten für Diktaturen. Im ersten Teil des Dreiteilers zu den sozialen Medien werden neue Chancen für Medien und Unternehmen beleuchtet, im zweiten gezeigt, wie den Risiken begegnet werden kann. Teil drei beleuchtet bisher viel zu wenig beachtete langfristige, auch politische Dimensionen privater Blogs.

Medien: Chancen durch Mehrwert

 
Mit Hilfe von sozialen Netzwerken erhalten Verlage und Medien zunächst einmal ein basisdemokratisches Korrektiv für die Informationsverteilung. Nun wird nicht mehr einseitig Information von autorisierter Stelle für eine quasi unwissende Öffentlichkeit bereitgestellt. In Produkt- und Reiseblogs stehen den Internetbesuchern vielmehr relativierende Informationen von ihresgleichen zur Verfügung. Wer sich über die falsche Darstellung eines Anbieters ärgert,kann seine Meinung sofort in Echtzeit anderen Netzbesuchern mitteilen, ohne erst die Hürden einer redaktionell ausgesiebten Leserzuschrift nehmen zu müssen. In einfach und kostenlos einzurichtenden Blogs (google) kann jeder einzelne die Allgemeinheit über seine Fachkenntnisse, Ansichten und Vorlieben informieren.

Für viele Verlage und Journalisten ist das ein Problem. Immer weniger Leser sind dazu bereit, für professionell geschriebenen und zuverlässig nachgeprüften Content zu bezahlen, schon gar nicht in Druckform. Andere erkennen die sozialen Medien als Chance, betreiben persönliche Blogs ohne das Korsett eines Chefredakteurs oder einer Verlagspolitik oder mischen sich bei anderen Blogs aktiv ein und gewinnen so Aufmerksamkeit. Die Verlage müssen nicht Verlierer der Medienrevolution ein, wenn sie auch in den neuen Medien der Weizen in der Spreu sind und ihren Fans und Followern extra Leistungen bieten, die über die reine Einweginformation in den traditionellen Medien hinausgehen. Also etwa zu Wissensthemen zusätzliche interaktive Spiele, Wettbewerbe, lokale oder interessenspezifische Angebote für die User und Leser in Kooperation mit kommerziellen Anbietern (Gutscheine für lokalen Einzelhandel, Kartengewinn etc.).

Marketing: Chancen durch Schneeballsystem


Eine Revolution durch social media findet auch im Marketing statt. Große Unternehmen, vor allem Markenartikler, aber auch Organisationen und kommunale Träger, erkennen derzeit neue, treffsichere und preisgünstige Werbeformen etwa über eine eigene Fanseite in Facebook und anderen sozialen Netzwerken. Ist es nicht viel einfacher, neue Angebote den bereits registrierten Fans zuzuposten, die sie dann auch noch von sich aus ihren Freunden weiterempfehlen (so genanntes "virales Marketing")? Bringt es nicht schneller und mit viel weniger Kosten weit mehr Ideen, wenn man eine Community zu einem Wettbewerb um den besten Slogan für eine Umweltinitiative aufruft? Spart es nicht eine Menge Marktforschung, wenn man die Nutzer seines Produkts um Verbesserungsvorschläge über die Fanseite bittet? Das Risiko auf der anderen Seite, scheint es, ist klein. Geringe Kosten entstehen höchstens für die Programmierung neuer Angebots-Features oder eines besonders originellen, CI-gerechten Designs (Design im Rahmen der Corporate Identity des Unternehmens), für das es auch schon spezialisierte Anbieter gibt.

In Teil zwei des Social-Media-Dreiteilers erfahren Sie, welche Social-Media-Strategie überzeugend, welche weniger gut ankommt.
Im dritten Teil wird bewusst gemacht, welche langfristige Wirkung  selbst die flüchtigsten Statusmeldungen in Social Media haben können.

 

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