Kostenloser Web-Content?


Kostenloser Web-Content?


Surfer suchen Information, keine Werbung


Aktueller Content: Ohne die Erwartung, verlässliche News und Informationen im Internet zu finden, würden nicht geschätzte 46 Millionen Deutsche täglich im Internet surfen. Und ohne die Hoffnung, guten Content zu finden, würden sie keine Online-Werbung ansehen. So einfach wie es klingt, so schwierig gestaltet es sich, tagesaktuellen, zuverlässigen Content bezahlbar zu halten.

Alle wollen News


Wie lange werden nichtkommerzielle Inhalte im Internet kostenlos bleiben? Diese Frage treibt Verlage, Medienanstalten und Journalisten schon lange um. Bislang gehen die meisten Zeitungen den Weg, ihr tagesaktuelles Angebot im Internet kostenlos anzubieten und für ältere Artikel ein geringes Entgelt zu verlangen. Als erste renommierte Tageszeitung beschloss die New York Times, tagesaktuelle Inhalte ab 2011 nur noch teilweise kostenlos anzubieten. Für ein Leitmedium, auf das Leser und andere Medien als Nachrichtenquelle angewiesen sind, ist dies nicht so riskant wie für regionale Tageszeitungen, die sowieso schon in Konkurrenz zu kostenlosen Anzeigenblättern stehen. Dass nun viele Zeitungen ihre Artikel nur noch kostenpflichtig anbieten werden, ist daher nicht zu erwarten.

Kostenlos-Medium Internet


Schließlich wird das Internet seit seinem explosionsartigen Popularitätszuwachs in den 90er Jahren noch immer als Kostenlos-Medium wahrgenommen. Recherche-Gewohnheiten haben sich seitdem revolutionär geändert: Statt Bibliotheken und Pressearchiven bestimmen heute Internetrecherchen das Tempo und die Verlässlichkeit der gesuchten Informationen. Dem lang gehegten Vorbehalt, Informationen im Internet seien weniger vertrauenswürdig, treten Content-Anbieter entgegen, indem sie sich zumindest ansatzweise wissenschaftlichen und journalistischen Prinzipien verpflichten. Wikipedia etwa lässt Expertenredakteure über Sinn und Unsinn, Aktualität oder Vollständigkeit der einzelnen Beiträge wachen. Dennoch sollte sich niemand allein auf Wikipedia als Informationsquelle verlassen.

Wie verlässlich ist Online-Content?


Kommerzielle Content-Anbieter wie Contentworld, Suite101 oder Demand Media bemühen sich durch die Anheuerung von Online-Autoren in recht unterschiedlichem Maße um Qualitätsanforderungen. Dennoch bleibt bei vielen Internetnutzern im Fall von Online-Inhalten ein Restzweifel über die Verlässlichkeit der Informationen bestehen. Das Medium Internet ist in seiner Schnelligkeit zwar unübertrefflich, aber an seiner Transparenz für die Nutzer kann noch viel gearbeitet werden.

Kein kostenloses Übersetzungs-Tool kann bislang wirklich gute Texte erzeugen. Ebenso ist auch für das Verfassen werblicher oder journalistischer Online-Texte, die genau auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten sind, ein menschliches Gehirn vonnöten.

Ist der Mensch zu teuer?


Content-Anbieter stecken in einem Dilemma. Surfer suchen Inhalte, keine Werbung. Doch für Inhalte sind sie nicht bereit zu zahlen. Die Werbung ist bereit zu zahlen, aber wer surft schon freiwillig auf reinen Werbeportalen? Online-Journalisten befürchten schon lange Dumpingpreise für ihre Textleistungen. Das Urheberrecht werde durch Online-Publikationen und Re-Publikationen ausgehebelt, so die Befürchtung.

Eine beliebte Mischlösung sieht daher vor, Content werbekompatibel aufzubereiten und die Content-Verfasser je nach erzielten Werbeeinnahmen zu bezahlen. Bislang ist dies sehr intransparent und für die Content-Autoren wenig einträglich. Für die Zukunft guten Internet-Contents und das Überleben von Contentanbietern scheint daher die von den Zeitungsverlagen betriebene Doppelstrategie, einen Teil des Contents nach wie vor kostenlos und einen immer größeren gegen geringe Gebühren anzubieten, ohne Alternative zu sein. Ob diese so genante „Hybridlösung“ dazu angetan ist, die Kostenlos-Erwartung der Internetnutzer an Content „umerziehen“, wird das Gesetz von Angebot und Nachfrage entscheiden.

Wenn aber keinerlei Vertrauen mehr zu den Inhalten im Internet aufgebaut werden kann, wird dies für das Medium Internet zum Imageproblem. Das Internet würde zum reinen Werbeportal verkommen – und damit schon einen Großteil der Surfer abschrecken. Was also ist verlässliche Information im Internet wirklich wert?


 

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